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Typische Fehler bei der Wahl des Themas für die Abschlussarbeit

  • Dr. Miriam Pahl
  • 9. Jan.
  • 8 Min. Lesezeit
Schreibtisch mit Laptop und geöffnetem Textdokument
Wie wählst du ein gutes Thema für die Abschlussarbeit?

Stehst du kurz vor deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit und suchst ein passendes Thema für deine Abschlussarbeit? Die Themenwahl entscheidet maßgeblich darüber, wie gut deine Arbeit läuft und wie gut sie bewertet wird. In diesem Blogartikel zeige ich dir, welche häufigen Fehler bei der Themenwahl Studierende machen und wie du problematische Themen erkennst. Außerdem bekommst du konkrete, praxistaugliche Tipps zur Themenfindung, damit du ein wissenschaftlich fundiertes und realistisch umsetzbares Thema für deine Abschlussarbeit wählst – und dir damit Zeit, Nerven und unnötige Arbeit sparst.


Inhalte:


Fehler 1: Zu allgemeines Thema: Wenn das Thema nicht eingegrenzt wird

Manche Themen für eine Bachelor- oder Masterarbeit könnten auch in einer Doktorarbeit behandelt werden. Das bedeutet: Sie sprengen den Rahmen einer studentischen Abschlussarbeit. Wenn das Oberthema einer Arbeit feststeht, empfehle ich, direkt auch die konkrete Forschungsfrage zu definieren, damit keine unnötige Recherche- und Schreibarbeit geleistet wird.


Was tun?

Tue dir selbst den Gefallen, dein Projekt schmal zu gestalten und dein Thema angemessen einzuschränken. Wenn zum Beispiel dein Oberthema "Digitalisierung im Gesundheitswesen" ist, dann ist so eine allgemeine Formulierung super für den Samstag-Abend-Smalltalk. Für deine wissenschaftliche Arbeit sollte aber eine konkretere Fragestellung klar sein, die im Rahmen der Arbeit sinnvoll untersucht werden kann. Diese Forschungsfrage muss dir zu jeder Tages- und Nachtzeit - und vor allem während des Schreibens -präsent sein, damit du fokussiert nur daran arbeitest, und dich nicht in Nebensachen verlierst. Du kannst dafür mit dem wissenschaftlichen Dreisatz vorgehen.

Auch interessant in diesem Zusammenhang:

Fehler 2: Überambitionierte Themenwahl: If you want too much

Diese Herausforderung äußert sich darin, dass ein Projekt nicht (gut) machbar ist, weil es zum Beispiel zu aufwendig ist, an die empirischen Daten zu kommen. Oder Studierende wollen ein Phänomen in all seinen Facetten untersuchen und haben zu viele Unterfragen. Die Untersuchungen weisen so in zu viele unterschiedliche Richtungen und lassen sich nicht sinnvoll in Haupterkenntnisse zusammenfassen. Es wird keine runde Sache aus der Arbeit.


Was tun?

  • Antizipiere dein Forschungsdesign und deine Forschungsergebnisse. Gehe die Schritte sehr konkret durch und überlege ob das alles realistisch und machbar ist.

  • Reicht die Zeit?

  • Liefert deine Methode wirklich Daten, mit denen du deine Forschungsfrage beantworten kannst? Bei qualitativen Experteninterviews: Können diese Personen, die du im Blick hast, tatsächlich so Auskunft geben, dass du deine Forschungsfrage beantworten kannst? Bei Umfragen: Sind deine Fragen und Antworten so formuliert, dass sie deiner Forschungsfrage zuträglich sind?

  • Kannst du die Ergebnisse sinnvoll zu neuen Erkenntnissen zusammenfassen? Wenn die Unterfragen in unterschiedliche Richtungen weisen, passen sie trotzdem in eine Abschlussarbeit?


Fehler 3: Zu persönliches Thema: Was willst du mit deiner Abschlussarbeit beweisen?

Ein persönlicher Bezug zum Thema kann motivierend und muss nicht unbedingt ein Fehler sein oder werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass durch den persönlichen Bezug die Forschung von vornherein in eine bestimmte Richtung weist und an Objektivität verliert. Wenn die Grundmotivation für das Thema sich mit „Ich will beweisen, dass...“ zusammenfassen lässt, dann läuft da etwas schief. Forschung soll ergebnisoffen sein.

Ein weiterer Punkt: Wer sich in einem Thema bereits sehr gut auskennt, läuft Gefahr, wichtige Grundlagen zu überspringen oder Fachwissen als selbstverständlich vorauszusetzen. Das kann es erschweren, die Ergebnisse verständlich aufzubereiten und die Perspektive der Lesenden einzunehmen. Ein Thema, das auch für die Forschende neu ist, ermöglicht oft einen klareren, unvoreingenommeneren Blick.


Was tun?

Gehe ehrlich und selbstkritisch mit dir in's Gericht.

  • Möchtest du bestimmte Ergebnisse bekommen?

  • Wie gehst du damit um, wenn du gegenteilige Ergebnisse erhältst?


Beispiel:

Zu persönlich: „Die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Studium – am Beispiel meiner Weiterbildung zur Wirtschaftsfachwirtin“

→ Hier besteht die Gefahr, dass du zu sehr aus deiner eigenen Erfahrung heraus schreibst. Außerdem fehlt die nötige Distanz, um das Thema wissenschaftlich zu analysieren.

Besser: „Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Studium im berufsbegleitenden Studium“

→ Das Thema bleibt relevant und praxisnah, ist aber allgemeiner formuliert. So kannst du auf vorhandene Forschung und Erfahrungsberichte zurückgreifen und die Ergebnisse objektiver einordnen.


Fehler 4: Das Thema ist zu eng gefasst: Da geht dir der Stoff aus

Zugegeben, es kommt eher selten vor, dass ein Thema zu eng gefasst ist, vor allem, wenn Studierende wirklich Lust auf ihre Abschlussarbeit und die damit verbundene Forschung haben. Es kommt aber dennoch vor, dass ein Thema und eine Fragestellung so eingeschränkt ist, dass weder die Literaturrecherche ergiebig ist, noch dass signifikante Ergebnisse erreicht werden. Deine Arbeit wirkt in diesem Fall eher wie ein kurzer Aufsatz als wie eine wissenschaftliche Abschlussarbeit.


Ein zu eng gefasstes Thema erkennst du daran, dass du dich auf einen sehr spezifischen Einzelfall, eine winzige Gruppe oder ein extrem begrenztes Detail konzentrierst. Dadurch fehlen dir oft theoretische Bezüge, Vergleichs-möglichkeiten und Material für eine fundierte Diskussion. Du hast dann zwar ein präzises Thema, aber zu wenig Tiefe und Breite, um eine ganze Bachelor- oder Masterarbeit damit zu füllen.


Was tun?

Prüfe, ob du dein Thema leicht erweitern kannst, ohne es völlig zu verändern. Das kann bedeuten:

  • den zeitlichen Rahmen zu vergrößern

  • die Zielgruppe zu erweitern

  • mehrere Fälle statt nur eines Einzelfalls zu untersuchen

  • die Fragestellung auf eine übergeordnete Ebene zu heben

  • statt eines sehr speziellen Aspekts das gesamte Konzept zu betrachten


Beispiel:

Zu eng: „Die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Marketing von Bio-Bäckereien in München-Schwabing“

→ Hier ist der geografische und thematische Rahmen so klein, dass du kaum Studien oder Daten findest.

Besser: „Nachhaltigkeitskommunikation im Marketing von kleinen und mittleren Bio-Unternehmen in Deutschland“

→ Der Fokus bleibt klar, aber es gibt genug Material, um eine fundierte Analyse durchzuführen.


Fehler 5: Fehlende wissenschaftliche Fundierung: Was machen wir hier eigentlich? Wissenschaft!

Das Thema einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit muss immer auf zwei Säulen stehen: Einerseits das gesellschaftliche Phänomen, das beobachtet und untersucht wird - und andererseits die wissenschaftliche Disziplin, Fachrichtung oder Theorie, an die es anknüpft. Bei der wissenschaftlichen Fundierung deiner Abschlussarbeit geht es darum, bestehende wissenschaftliche Theorien, Modelle und Konzepte aufzugreifen, weiterzudenken und deine Forschungsfrage in den aktuellen Forschungsstand einzubetten.


Was tun?

Überprüfe, ob die Literatur, mit der du bisher arbeitest, wissenschaftlich ist, also wissenschaftliche Bücher und aktuelle Journal-Artikel beinhaltet. Spätestens wenn du am Ende des Theorieteils den aktuellen Forschungsstand beschreibst, wird sich herausstellen, wie gut sich deine Forschungsfrage - und später deine Ergebnisse - wissenschaftlich herleiten und einbetten lassen.

  • Gibt es genug wissenschaftliche Literatur (Monografien, Sammelbände, Journalartikel)?

  • Lässt sich das Thema einem Fachgebiet oder einer Theorie zuordnen?

  • Kannst du einen Forschungsstand formulieren?

  • Gibt es zentrale Begriffe, die wissenschaftlich definiert werden können?


Beispiel:

Du willst untersuchen, wie man besser mit Stress umgehen kann. Hierfür musst du auch sichten, welche Theorien und Konzepte es zum Umgang mit Stress es bereits in deiner Fachrichtung gibt, und auf diese in der Herleitung deiner Forschungsfrage verweisen.


Fehler 6: Das Thema bietet keinen wissenschaftlichen Mehrwert - oder: Wem nützt das Ganze eigentlich?

Bei der Themenwahl für deine Abschlussarbeit geht es nicht nur darum, ein interessantes Thema zu finden – sondern auch darum, dass deine Arbeit einen wissenschaftlichen Mehrwert hat. Ein Thema ohne Mehrwert beschreibt häufig nur ein Phänomen, fasst Bekanntes zusammen oder erzählt Erfahrungen nach – trägt aber nichts Neues zur wissenschaftlichen Diskussion bei.


Wissenschaftlicher Mehrwert bedeutet: Deine Arbeit knüpft an bestehende Forschung an und trägt dazu bei, sie zu präzisieren, zu erweitern, zu überprüfen oder kritisch zu hinterfragen. Das kann durch eine neue Fragestellung, einen neuen Kontext, eine neue Methode oder eine neue Perspektive geschehen. Rein praktische Tipps, Ratgebercharakter oder reine Beschreibung reichen dafür in der Regel nicht aus. Besonders problematisch wird es, wenn eine Arbeit nur fragt: „Wie kann man XY besser machen?“ – ohne eine theoretische Einbettung, klare Forschungsfrage oder empirischen Beitrag. Dann bewegst du dich schnell im Bereich von Praxisratgeber, Erfahrungsbericht oder Meinungsaufsatz – aber eben nicht im Bereich wissenschaftlicher Forschung.


Was tun?

Überprüfe, ob aus deinem Thema tatsächlich eine Forschungsfrage entsteht, die etwas zum wissenschaftlichen Diskurs beiträgt. Frage dich:

  • Welche Forschungslücke adressiere ich?

  • Welche Theorie oder welcher Ansatz wird durch meine Arbeit ergänzt, überprüft oder weiterentwickelt?

  • Welche neue Erkenntnis, Perspektive oder Differenzierung entsteht durch meine Ergebnisse?


Beispiel:

Du möchtest darüber schreiben, wie man produktiver lernen kann. Wenn du lediglich Tipps sammelst („Zeitmanagement, Lernplan, Karteikarten nutzen“), entsteht kein wissenschaftlicher Mehrwert. Um daraus ein wissenschaftlich relevantes Thema zu machen, brauchst du eine Forschungsfrage und theoretische Anbindung, zum Beispiel:


  • „Welchen Einfluss hat Selbstwirksamkeitserleben auf Lernstrategien bei berufsbegleitend Studierenden?“

  • „Welche Rolle spielt Prokrastination im Zusammenhang mit Stressbewältigung im Studium?“


Hier würdest du an bestehende Theorien anschließen, einen Forschungsstand aufarbeiten und mit deiner Untersuchung einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion leisten – und genau das ist wissenschaftlicher Mehrwert.


So machst du es richtig: Praktische Tipps für deine Themenwahl

Wenn du sichergehen möchtest, dass du ein machbares Thema und eine wissenschaftlich fundierte Forschungsfrage findest, kannst du im Thesiscoaching mit mir deine Ideen besprechen. Melde dich dafür gerne!


Sprich mit deiner Betreuungsperson

Mache einen Termin aus und bereite dich gut auf dein Gespräch vor. Hab keine Angst, deine Betreuung mit deinen Selbstzweifeln und Gedanken zu konfrontieren - sprich lieber offen über deine Fragen und Unsicherheiten, anstatt zu hoffen, dass diese sich in Luft auflösen (Spoiler: werden sie nicht).


Sprich mit Kommiliton*innen

Manche Betreuungspersonen sind einfach nicht zu kriegen, ich weiß. Trotzdem ist wichtig, dass du mit Personen in's Gespräch kommst, die mit dem wissenschaftlichen Arbeiten und Denken vertraut sind und mit dir dein Thema durchdenken können. Das können auch Studienkolleg*innen sein.


Schau dir gelungene Abschlussarbeiten an

Oft kannst du über deinen Fachbereich oder dein Institut beispielhafte Abschlussarbeiten bekommen. Auch hierzu kannst du Kommiliton*innen fragen. Schau dir die Gliederung und einzelne Abschnitte genau an. Kannst du die Inhalte auf deine Arbeit transferieren? Funktioniert dein Konzept für eine Bachelorarbeit oder eine Masterarbeit?


Starte früh mit einer groben Literaturrecherche

Du musst noch nicht alles lesen – aber prüfe, ob es ausreichend wissenschaftliche Literatur gibt. Finden sich Theorien, Modelle, zentrale Begriffe? Wenn du kaum Quellen findest oder nur populärwissenschaftliche Bücher, ist das ein Warnsignal.


Formuliere eine erste, vorläufige Forschungsfrage

Bevor du dich festlegst, versuche eine Arbeitsfrage zu formulieren. Wenn sie ohne Verrenkungen verständlich ist und sich beantworten lässt, bist du auf einem guten Weg. Wenn du drei Sätze brauchst, ist das Thema meist noch zu unklar.


Formuliere deine Idee mehrmals um

Was zunächst „nur eine Idee“ ist, wird erst durch Formulierungen greifbar. Schreibe deine Themenidee in verschiedenen Varianten auf: als Satz, als Frage, als Überschrift. So merkst du schnell, wo etwas noch schwammig ist.


Ich habe auch einen Schritt-für-Schritt-Guide für die Themenfindung geschrieben.

In diesem Beitrag zeige ich dir,

  • was ein gutes Thema kennzeichnet

  • welche Fragen du dir stellen kannst, um passende Themenideen zu entwickeln,

  • und wo du gezielt recherchieren kannst, um von der groben Idee zu einem spannenden, tragfähigen Thema zu kommen.

Hier lesen:


Die Beispiele in der Beschreibung der Fehler wurden mithilfe von KI erstellt.


Über mich

Dr. Miriam Pahl

Ich bin Miriam, Expertin für wissenschaftliches Arbeiten, Lektorin für wissenschaftliche Texte und Schreibberaterin aus Bremen.

Mit meinem Lektorat Am Schreibtisch unterstütze ich Studierende und Doktorand:innen bei ihren Abschlussarbeiten und bei der Veröffentlichung ihrer ersten Fachartikel.


Mein Fokus liegt dabei auf einem präzisen Ausdruck, der komplexe Sachverhalte verständlich vermittelt.


Du willst, dass deine wissenschaftliche Arbeit nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern fundierte, analytische Argumentationen entwickelt? Dann schreib mir eine Nachricht - und lass uns in unserer Zusammenarbeit deine Forschung erfolgreicher machen.

Folge mir auch gerne auf Instagram für kleine Happen zum wissenschaftlichen Schreiben.



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