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Anleitung: Fazit für deine Bachelorarbeit oder Masterarbeit

  • Dr. Miriam Pahl
  • 18. Jan.
  • 7 Min. Lesezeit

Du bist beim letzten Kapitel deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit angekommen und musst nur noch den Schluss - dein Fazit - schreiben. Aber erstmal möchtest Du wissen, wie du da am besten vorgehst? Hier bist du richtig! Ich erkläre hier, was in das Fazit deiner Abschlussarbeit gehört - und was nicht - und gebe dir praktische Tipps und Formulierungshilfen an die Hand.



Ein Stapel Bücher zum Thema Schreiben
Was gehört in das Fazit einer Bachelorarbeit und Masterarbeit?

Unabhängig davon, ob man es Fazit, Schluss oder Zusammenfassung nennt, das letzte Kapitel deiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit hat eine konkrete Aufgabe. Das letzte Kapitel ist dafür da, die Ergebnisse einzuordnen und zu bewerten, und die Arbeit abzuschließen und abzurunden. In diesem Artikel zeige ich dir, was du beim Schreiben des Fazits beachten solltest, welche Punkte hineingehören und welche nicht, welchen Umfang das Fazit haben darf und ich weise dich auf typische Fehler hin.


Was ist das Fazit in der Abschlussarbeit?

Das Fazit ist zusammen mit der Einleitung eins der wichtigsten Kapitel deiner Abschlussarbeit. Viele Dozent*innen lesen diese beiden Kapitel als erstes und widmen sich dann erst den eigentlichen Inhalten der Bachelorarbeit oder Masterarbeit. Für die Bewertung ist das Fazit besonders wichtig, da es den letzten Eindruck deiner Arbeit hinterlässt - und der sollte möglichst positiv sein. Im Schlussteil kannst du noch einmal dein Expertenwissen zu deinem Thema zeigen.


Die Einleitung und das Fazit geben einen Überblick zum Forschungsvorhaben und was erreicht wurde. Gemäß dem Sanduhr-Prinzip für wissenschaftliche Arbeiten haben diese beiden Kapitel die Funktion, das Forschungsprojekt mit einer gewissen Distanz in einen größeren Rahmen einzuordnen. Beim Schreiben ist es deswegen besonders wichtig, selbst diese erforderliche distanzierte Perspektive einnehmen zu können. Das gelingt am besten, wenn du das Fazit mit etwas zeitlichem Abstand schreibst (wie du das Fazit am besten schreibst, dazu komme ich gleich noch).


Sanduhr-Prinzip für wissenschaftliche Arbeiten
Das Sanduhr-Prinzip für wissenschaftliche Arbeiten

In deinem Schlusskapitel beantwortest du deine Forschungsfrage und du fasst die wichtigsten Ergebnisse der Forschungsarbeit zusammen. Du stellst praktische Bezüge her und erläuterst, was die Ergebnisse wissenschaftlich und gesellschaftlich bedeuten.


Diskussion versus Fazit - Was ist was?

In vielen Bewertungsbögen für Abschlussarbeiten werden die Diskussion und das Fazit zusammengefasst. Auch bei Goldenstein (siehe Bild 2) werden diese beiden Teile zusammengefasst. Entgegen dieser Darstellungen ist es wichtig, die Diskussion und das Fazit separat zu bearbeiten. Die Diskussion soll in's Detail gehen und - offensichtlich - die Ergebnisse diskutieren. Die Ergebnisse werden in der Diskussion in Bezug zu den theoretischen Ausführungen und zum aktuellen Forschungsstand gesetzt und interpretiert. Welchen Erkenntnisgewinn stellen sie für die Forschung dar? Das Fazit agiert auf einer übergeordneten Ebene und kann deswegen nicht in einem Zug mit der Diskussion erstellt werden.


Bewertungskriterien Diskussion und Fazit
Bewertungskriterien für die Diskussion und das Fazit für Abschlussarbeiten der LMU

Anleitung für ein sehr gutes Fazit

Wie schreibst du das Fazit?

Judith Wolfsberger empfiehlt, auf einen Berg oder zumindest eine Dachterrasse zu steigen, um für das Fazit die Dinge von oben betrachten zu können (S. 230). Sie rät außerdem dazu, nichts außer Stift und Papier mitzunehmen, um sich auf das Wesentliche der eigenen Arbeit konzentrieren zu können und Stichpunkte für das Fazit zu machen. Denn wenn du dein Schlusskapitel stattdessen am PC, direkt in dein Dokument schreibst, ist die Versuchung zu groß, doch wieder ins Überarbeiten zu verfallen, anstatt sich auf den Schluss zu konzentrieren. Wichtig ist also, dass du dein Fazit mit etwas Distanz zu deiner Bachelor- oder Masterarbeit schreibst. Diese Empfehlung ist stimmig mit dem Sanduhr-Prinzip (siehe oben), das besagt, dass die Einleitung und das Fazit einen Überblick verschaffen sollen, in dem du deine Ergebnisse einordnest und bewertest.


Ein zweiter Punkt, der für das Schreiben des Fazits wichtig ist, wird oft vernachlässigt: Die notwendige Zeit, um es zu entwickeln. In vielen Fällen wird das Fazit unter Zeitdruck kurz vor der Abgabe geschrieben. Wenn das Zeitmanagement sowieso im Laufe der Arbeit unter die Räder gekommen ist, muss das Fazit manchmal mit der Zeit und Energie (a.k.a. Brainpower) klarkommen, die am Ende noch übrig ist. Das kann böse ausgehen, denn das Fazit bekommt, wie gesagt, mit am meisten Aufmerksamkeit von deiner Leserschaft. Deswegen sollte der Schlussteil ein fester Bestandteil deines Zeitplans sein.


Da das Fazit kurz ist, ist das eigentliche Schreiben schnell erledigt. Was Zeit in Anspruch nimmt, ist die Planung und Entwicklung der Punkte, die in das Fazit gehören. Zuerst empfehle ich eine Pause nach der Bearbeitung der Haupt-Kapitel, damit die Erkenntnisse und Zusammenhänge deiner Arbeit sich in deinem Bewusstsein noch mal neu ordnen und setzen können. Wenn du Abstand zu deiner Thesis gewinnst, entwickelst du ein besseres Verständnis für das Gesamtbild deines Forschungsprojektes, ohne aktiv an deiner Thesis zu arbeiten. Und genau dieses Gesamtbild benötigst du, um dein Fazit zu schreiben und deine Einleitung zu überarbeiten (und auf das Fazit auszurichten).


Was gehört in das Fazit - und was nicht?

Dein Fazit beinhaltet eine Bewertung und Einordnung der Ergebnisse deiner Arbeit. Du erläuterst, in welchem Zusammenhang deine Ergebnisse mit vorherigen Studien und Forschungsergebnissen (also dem Forschungsstand) stehen. Darüber hinaus beantwortest du im Fazit die zu Beginn formulierte Forschungsfrage klar und zusammenfassend. Du reflektierst die Aussagekraft deiner Ergebnisse und benennst mögliche Grenzen deiner Arbeit. Abschließend kannst du einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf oder praktische Implikationen geben.


Folgende Punkte gehören nicht in dein Fazit:

  • Zitate: Im Fazit benötigst du keine Literatur, sondern nur deine eigenen Worte. Du beziehst dich hier vornehmlich auf deine eigenen Ergebnisse und hebst deine Leistung hervor, die du möglichst mit deinen Worten beschreibst. Zitate müssen hier sehr gut reinpassen, damit sie gerechtfertigt sind.

  • Neue Studien oder Theorien: Im Fazit schließt sich der Kreis deiner Arbeit, du machst den Sack zu, Fragen bekommen eine Antwort. An dieser Stelle werden also keine neuen Diskussionspunkte aufgemacht. Mit dem Ausblick und Vorschlägen für zukünftige Forschung erklärst du, welche Ansätze deine Ergebnisse ergänzen könnten, aber bring bitte keine Themen ein, bei denen man sich fragt, warum dies nicht im Laufe der Arbeit bereits berücksichtigt wurde.

  • Falsche Bescheidenheit: Im Fazit ist es wichtig, die Ergebnisse und Antworten auf die Forschungsfragen klar und prägnant zu formulieren. Die eigene Leistung soll dabei weder künstlich aufgebläht noch geschmälert werden, sondern auf den Punkt benannt werden.

  • Eine einfache Zusammenfassung: Betreuungspersonen sagen gerne "Das ist zu beschreibend" und meinen damit, dass an bestimmten Stellen in einem wissenschaftlicher Text Analysen und Bewertungen erforderlich sind. Das Fazit ist so eine Stelle.

  • Reine Wiederholungen:


Aufbau des Fazits: So strukturierst du es Schritt für Schritt

Wenn du weit weg von deinem Dokument deine ersten Stichpunkte für das Fazit machst, sollst du dich auf die wesentlichen Punkte deiner Abschlussarbeit konzentrieren. Folgende Fragen können dir für die Erstellung der Rohfassung helfen (angelehnt an Wolfsberger):


  • Was hast du in deiner Arbeit konkret gemacht?

  • Warum war das wichtig?

  • Wie bist du vorgegangen?

  • Was hast du herausgefunden?

  • Was ist dir klar geworden?


Nimm dir Zeit, diese Fragen stichpunktartig oder im fokussierten freien Schreiben zu beantworten. Gehe nicht zu sehr in die Details, sondern schildere die größeren Zusammenhänge.


Für den finalen Text des Fazits ist diese Struktur bewährt:

  1. Ausgangsfrage aufgreifen

  2. Relevanz

  3. Zentrale Ergebnisse zusammenfassen und einordnen

  4. Grenzen der Arbeit ehrlich benennen

  5. Ausblick auf weitere, anknüpfende Forschung


Wie lang sollte das Fazit sein?

Die meisten Abschlussarbeiten kommen mit zwei bis drei Seiten für das Fazit aus. Dieser Umfang des Schlusskapitels gilt unabhängig von der Länge der Arbeit, da hier ganz prägnant - und recht schematisch - nur ein paar Punkte abgearbeitet werden müssen. Es geht hier nicht um die Details; verliere dich also beim Schreiben des Fazits nicht in Einzelheiten. Es kann helfen, einen Blick in Bachelor- oder Masterarbeiten deines Instituts zu werfen, um sich zu orientieren. In wissenschaftlichen Artikeln in Journals und Fachzeitschriften macht das Fazit oft nur eine halbe Seite aus (in kleiner Schrift).


Gewichtung einzelner Kapitel in der Thesis
Gewichtung einzelner Kapitel in wissenschaftlichen Arbeiten nach Goldenstein

FAQ zum Fazit

Welchen Titel soll ich für mein Fazit wählen?

"Fazit", "Schluss" oder "Zusammenfassung" sind in Ordnung, aber nicht sehr originell. Generell gilt für alle Titel der Kapitel, dass eine inhaltliche Aussage besser funktioniert, um Neugier zu wecken und die Leserschaft auf die Inhalte einzustimmen. Allerdings geben manche Institute die Titel der einzelnen Kapitel vor, damit Gutachter*innen sich besser orientieren können.


Kann ich im Fazit in der Ich-Form schreiben?

Gegenfrage: Wie hast du das in den vorangegangenen Kapiteln deiner Arbeit gehandhabt? Wie wird das generell in deinem Fachbereich bzw. deiner Disziplin gehandhabt? Die Ich-Form ist mittlerweile nicht mehr so verpönt wie früher, die Empfehlungen sind aber je nach Disziplin sehr unterschiedlich.


Brauche ich im Fazit Literaturangaben?

Da im Fazit vor allem die Ergebnisse der eigenen Arbeit zusammengefasst und eingeordnet werden, benötigst du im Fazit keine weitere Literatur.


Darf ich im Fazit neue Inhalte schreiben?

Nein, das ist ganz klar. Im Fazit beziehst du dich auf Inhalte deiner Abschlussarbeit, die du in den vorherigen Kapiteln ausführlicher erklärt und diskutiert hast. Neue Inhalte haben im Fazit nichts zu suchen.


Wenn du mit deinem Fazit lieber Unterstützung in Anspruch nimmst anstatt mit der eigenen Unsicherheit zu leben: Melde dich gerne bei mir!  Schreib mir eine Nachricht - und lass uns in unserer Zusammenarbeit deine Forschung erfolgreicher machen.


Über mich

Dr. Miriam Pahl

Ich bin Miriam, Expertin für wissenschaftliches Arbeiten, Lektorin für wissenschaftliche Texte und Schreibberaterin aus Bremen.

Mit meinem Lektorat Am Schreibtisch unterstütze ich Studierende und Doktorand:innen bei ihren Abschlussarbeiten und bei der Veröffentlichung ihrer ersten Fachartikel.


Mein Fokus liegt dabei auf einem präzisen Ausdruck, der komplexe Sachverhalte verständlich vermittelt.


Folge mir auch gerne auf Instagram für kleine Happen zum wissenschaftlichen Schreiben.


Quellen:

Goldenstein, Jan, u. a. „Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten“. Wissenschaftliche(s) Arbeiten in den Wirtschaftswissenschaften, von Jan Goldenstein u. a., Springer Fachmedien Wiesbaden, 2018, S. 135–59. DOI.org (Crossref), https://doi.org/10.1007/978-3-658-20345-0_8.

Wolfsberger, Judith. Frei geschrieben: Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. 5., Bearbeitete Auflage, UTB, 2021. utb Schlüsselkompetenzen 3218.



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